Sonntag, 10. September 2017

Opa muss reisen...Über die Ostsee (3)




Vorsicht ! Motorhaube könnte heiss sein !

Der Este ist mir schon allein wegen dieses genialen Verkehrsschildes sympathisch.









Tallinn war für mich ein Highlight der Reise. Überraschend.
Wir hatten uns im Vorfeld schon ein wenig schlau gemacht, welche Sehenswürdigkeiten zu unserem schmalen Zeitfenster passen würden und haben uns für einen Fußmarsch durch die Altstadt entschieden. Und die ist wirklich sehenswert…


Bis 1918 hiess die Stadt Reval (die älteren Leser kennen noch die Zigarettenmarke) und wurde nach der Eroberung der älteren Siedlung an dieser Stelle von den Dänen neu gegründet.
Später kamen mit dem Schwertbrüderorden und dem Deutschen Orden die Deutschen und blieben als Oberschicht bis ins 20.Jahrhundert hinein dort.


Herren blieben sie aber nicht lange, denn nach der Reformaion kamen die Russen und darauf die Schweden, die die Oberherrschaft über Reval bis zum Ende des großen Nordischen Krieges inne hatten. Dann kamen wieder die Russen...und blieben. Erst 1918 wurde Reval unter dem Namen Tallinn Hauptstadt des neuen estnischen Staates.








An den Häuser findet sich jeweils ein Grundriss und eine kurze Beschreibung zu Geschichte des Hauses.





 

 
Tallinn verfügt noch über eine in großen Teilen erhaltene Stadtmauer. Einige Abschnitte sind begehbar und oben drauf merkt man erstmal, wie hoch die tatsächlich ist.







 




Das Begehen der Mauer und der Zugang über den Turm kosten einen kleinen Obolus, aber da spar ich nicht an der falschen Stelle. Vorbildlich auch die Hinweistafeln im Inneren.












...und gut gegen Frosch im Hals

3xtäglich Schlange vor dem Essen...
Tallinn besitzt die älteste noch immer betriebene Apotheke. Man geht rein und sieht sich um, während der Verkauf läuft. Die Exponate muten teilweise bizarr an, war aber seinerzeit wohl state-of-the-art in Sachen Pharma…










Das Tallinner Rathaus ist das einzige seiner Art in Nordeuropa, denn es ist im gotischen Stil erbaut.

Vor dem Rathaus liegt natürlich der Marktplatz und, quel surprise, es war auch Markt. Die Damen waren happy. 
Allerdings muß ich eingestehen, dass der Markt wirklich schön war, insofern er recht abwechslungsreich daherkam und man nicht gleich den Eindruck hatte, hier gibt es Krempel, der kommt aus China. Und in Sachen Marktplätze der Welt bin ich zwischenzeitlich eine Koryphäe. Boah kann man da auf Reise was erleben...
Gerne hätte ich mal die ein oder andere Spezialität mitgenommen, aber Lebensmittel an Bord bringen, ist immer etwas problematisch.


Neben dem obligaten Bernstein gibt es viel Handwerk. Schnitzkunst steht hoch im Kurs und neben den üblichen Frühstücksbrettchen und Holzlöffeln, wird manch Zierrat und Klimbim zum An-die-Wand-hängen angeboten. Die Künstler greifen dabei auf einen alten Formenschatz zurück, der in Einzelfällen noch in heidnische Zeiten zu datieren ist. Der eine oder andere Formenschatz kam mir seltsam vertraut vor und ich bin doch froh, dass der Künstler in der Hektik der Schnitzarbeit noch die Kurve bekommen hat…

 




Natürlich musste ich wieder in jede Kirche (na gut nicht in jede...)
Hier auf dem Domberg steht die Alexander-Newski-Kathedrale (rechts) und der namensgebende Dom.





Im Dom sollte eigentlich nicht fotografiert werden, aber ich habe mal schnell aus der Hüfte geschossen.
An der Wand hängen Wappen; das alles ist sehr barock, aber trotzdem immer noch halbwegs nüchtern. Kein Vergleich zu einem zeitgenössischen katholischen Gotteshaus.
Die Alexander-Newski-Kathedrale ist russisch orthodox und wurde erst um die Wende zum 20.Jahrhundert erbaut.




Vor dem Tor zum Hafen liegt das Estonia-Denkmal. 852 Menschen haben 1994 bei diesem Schiffsunglück ihr Leben verloren. Noch immer gibt es nicht wenige, die sich mit der offiziellen Erklärungen nicht zufrieden geben können. Andererseits: Die Mondlandung war ja auch gefaked…

Zurück an Bord ging es dann Richtung St.Petersburg, dem nächsten Höhepunkt der Reise.

Donnerstag, 7. September 2017

Opa muss reisen...über die Ostsee (2)

Die nächste Station war Klaipeda, das ehemalige deutsche Memel.
Klaipeda ist der größte litauische Ostseehafen und liegt im Kurischen Haff unmittelbar gegenüber der Spitze der Kurischen Nehrung.
Die Altstadt wurde teils ganz hübsch wieder hergerichtet, aber die Folgen von sechs Jahren Krieg und 55 Jahren Kommunismus sind häufig noch immer gegenwärtig.



Hier mal ein Beispiel...
...und hier das Gegenteil.

Insgesamt wirkt die Altstadt merkwürdig...streng. Nur wenige gastliche Stätten laden zum Verweilen ein. Gerne hätte ich hier einen einheimisches Gerstensaft getrunken, doch leider fanden wir kein offenes und einladendes Gasthaus (ja okay: es war Vormittags, aber ich bin im Urlaub...)
Dabei sah das schon sehr verheissungsvoll aus.
Ich versteh zwar kein Wort Litauisch, aber  zwei Rittersmänner die Kartuschen knallen lassen, trinken in meiner Vorstellungswelt doch keinen Smoothie ?!

Tja und wenn ich denn schon mal hier bin, so dachte ich, kümmere ich mich auch um meine hiesigen Fans.
Drum habe ich ein örtliches Marketingbüro mit einer kleinen Kampagne beauftragt.
"Ich mache Figuren" schrieb ich.
Anscheinend also Ausdruckstanz, jedenfalls sah das Plakat so aus.
Ich habe mich dann klammheimlich wieder aufs Schiff verdrückt und war für den Rest der Reise inkognito.




Wahrscheinlich hätt´ich sonst noch singen müssen...oder kochen.

Interessant:
Es leben hier immer noch Nachkommen von Deutschen.
Der hier zum Beispiel, im örtlichen Tiefbauamt.




Vielleicht warn´se beim Beschildern aber nur stramm wie die Ritter oder so...


Very famous:
Ännchen von Tharau.
Gedichtet von Simon Dach.
Ich dachte immer, der war Brauer, weil in Berlin-Friedrichshain eine ganze Strasse voller Kneipen nach ihm benannt ist.

Reisen bildet.





 Fand ich sehr putzig...







Und natürlich habe ich auch ein Andenken geschossen.
Hier an der Ostseekpüste ist praktisch alles, was nicht aus Eisen oder Plastik ist, aus Bernstein. Gibt´ s hier für´n Appel und ´n Ei.

Würfel ! Ganz stilecht beim nächsten Saga...

Sind übrigens handgeschnitzt. Merkt man beim würfeln. Hihi...


Vielleicht komme ich in 10 Jahren noch mal her.
Dann ist hoffentlich das Museum an der Stelle der alten Ordensburg fertig.


Weiter ging es nach Riga, der Hauptstadt Lettlands.
Riga, 10°. Die Sonne brennt.
Dank Drei-Wetter-Taft und vier Pullis konnte man zu Fuß durch die Altstadt (zeitgleich jammerten Bekannte aus Köln über mörderische 29° am Rhein) ohne sich den Hintern abzufrieren. Wir wollten Segway fahren und hatten eine Tour gebucht.


Rigas Altstadt besitzt eine phänomenal große Anzahl an Kirchen undzwar sowohl protestantisch, als auch katholisch und orthodox.

Und die Altstadt ist absolut sehenswert.

Man merkt deutlich, hier haben die Leute mehr Geld als in Klaipeda. Man sieht es an den Geschäften, den Autos und den Menschen.





Manch nettes Lokal lud auch hier zum Verweilen ein (zumindest waren sie schon geöffnet) und abendlich herrscht hier gewiss ein reges Treiben.

Auch Riga wurde am Ende des 2.Weltkrieges weitgehend zerstört und auch hier war ich erstaunt, wie schön und originalgetreu es wieder aufgebaut wurde (so weit ich das beurteilen kann).






Wahrzeichen der Stadt:

Die Rigaer Strassenmusikanten










Ja ich weiss. Gegen die Sonne...

Und das hat mich, wie schon in Danzig, so erstaunt: Man steht hier zu der Vergangenheit, die über weite Strecken unter deutschem Einfluss stand (litt).





Hätten wir Deutsche - unter umgekehrten Vorzeichen - ebenso gehandelt ?
Ich zweifle manchmal daran...


Andererseits - das Gebäude steht übrigens gleich daneben - läßt der
Lette in Sachen Geschichte durchaus mal Fünfe gerade sein. Rechts sehen wir das Museum der Okkupation.
1940-1991.
Russen, Deutsche, wieder Russen.
Egal, alles Besatzer.
Ich war nicht drin, hoffe aber, dass die Ausstellung ein klein wenig differenzierter daherkommt.

Immer wieder geht hierzulande die Mär, osteuropäische Banden vergriffen sich an hochwertigen deutschen Markengefährten, wobei sie höchst eloquent, modernste Sicherheitsvorkehrungen findig zu umgehen wissen. Auch - so geht die Sage - sind Litauer und Letten hier an vorderster Front.
Urban legend, Übertreibung ? Ich wage es nicht zu sagen.



Wahr ist, dass der Lette sich sein teuer erspartes TöffTöff nicht so leicht klauen läßt.

Weh dem, der es versucht...





Die Segwaytour ist für mich ausgefallen, ganz nebenbei bemerkt.
Beim Warmfahren auf dem höllischen Kopfsteinpflaster habe ich mir fast das Schienbein gebrochen.
Mittlerweile bin ich alt genug, eine Warnng von oben zu verstehen.
Denn jetzt ging es nach Tallinn und ich hätte mich geärgert, wenn ich das verpasst hätte...

Bis demnächst....


















Bleiben Sie dran...

Samstag, 2. September 2017

Opa muss reisen...über die Ostsee (1)

Komisch, wenn die Landkarte nur drei Himmelsrichtungen zeigt.
Ich reise durch die halbe Welt; Europa, Afrika, Fernost, aber nach Osten bis zur Oder schaffe ich es nicht.
Selbst am Rhein war ich schon häufiger als am Oderstrand...
Zweimal kurz über die B5 nach Slubice zum arbeiten zählt nicht und der eine Ausflug nach Hinterpommern an den Ostseestrand vor 20 Jahren gilt eigentlich auch nicht als Reise. Nur Kollegen, aber dafür überwiegend bölken.
Geistesgegenwärtig hat Frau Wuttke das Problem erkannt und Abhilfe geschaffen.
Heckkabine...unser Favorit
Letzthin buchte sie eine Schiffspassage über die Ostsee, damit ich meine diesbezüglichen Defizite vor Ort aufarbeiten kann. Also ging es aufs Schiff, genauergesagt auf die MSC Magnifica.
Die legte am 13.05. in Warnemünde ab und...

Nee, ich fang diesmal vorne an. Ganz vorne.


Wohnst Du in Berlin und möchtest in die Welt hinaus, so hat eine grausame Geographie dich dazu verurteilt, zuerst ein Land voller Wegelagerer und Strassenräuber durchqueren zu müssen. Per Aspera ad Astra und so. Egal in welche Richtung, überall ist: BRANDENBURG !
"Was hatter denn ?", assoziiert der Leser den Herrn von Ribbeck mit dem Birnbaum, Kiefernwälder und jede Menge Seen. Is doch toll in Brandenburg.
Denkste. 
Fängt schon damit an, dass - passierst du die Stadtgrenze - du erstmal weiter zwischen Berlinern herumfahren musst, die dereinst die Gelegenheit beim Schopfe gepackt haben, ihre Kinder in "blühenden Landschaften" grosszuziehen. Die sind häufig übel drauf, hängen immer so doofe Plakate in ihre Vorgärten, wo so mit nachgemachter Kinderhandschrift draufgemalt ist "Uns zuliebe 30" oder Papi heult sich auf´m Transparent drüber aus, dass die Flugzeuge ja über sein Grundstück zum BER fliegen werden, statt über das vom Nachbarn, der das ja viel eher verdienen würde (Keine Angst: passiert ohnehin nie....). Sie selbst fahren morgens mit ihren TF- MOL-, LDS- und was-weiss-ich-Kennzeichen auf dem Weg zum Arbeitplatz um halbsechse mit 70 Sachen durch meine 30er-Zone. Typisch Berliner, immer leicht Assi...

Die autochthone Bevölkerung hat schon lange kapituliert und sich noch tiefer zwischen die Kiefern und die Seen verkrümelt.
Das Schlimmste an Brandenburg aber ist, dass die Büttel des Sheriffs von Potsham es so ungeniert und offen rotzefrech auf deine Marie abgesehen haben, dass es dir den Atem verschlägt ! 
Imagine this: Als 1990 erstmals richtige Autos verfügbar waren, hämmerte der Brandenburger, speziell wenn er noch nicht trocken hinter den Ohren war, dieselben gerne in die Alleebäume. 1992 stand auf jeder x-beliebigen Land-, Bundes- oder Dorfstrasse an jedem 3. oder 4. Baum ein Holzkreuz, welches den unzeitigen Tod von Maik, Rico oder Kevin verkündete. Abhilfe tat Not !
Nachdem Plan 1, Abholzung der Alleebäume, vermutlich aus Kostengründen ad acta gelegt wurde, stellte man stattdessen, Plan 2, hinter jedem Ortsschild einen Starenkasten auf und siehe: 
Der Brandenburger ist nicht ausgestorben und zusätzlich freut sich die Landeskasse über gar stattliche Einkünfte. Hat also gewirkt...

In 2017 nun stehen die Büttel auf jeder Autobahn bis hin zum Knüppeldamm und blitzen, blitzen, blitzen...Und immer weisst du: Hier geht´s nur ums Geld und nie um den erzieherischen Effekt.Und auch sonst nutzen die Damen und Herren in der blauen Tracht jede Gelegenheit zum Abziehen.
Kleine Anekdote gefällig ?
2014 fahren meine Eltern am Heiligabend mit dem Auto auf die B96 und werden....abgekellt !
Papa darf pusten und die beiden uniformierten Wegelagerer sind enttäuscht. 0,0 Promille !
Auf seine Frage, warum er angehalten wurde, ertönt es kühn unter der Mütze hervor: "Sie sind so vorsichtig gefahren....Ist ja Weihnachten, hätte ja sein können, sie sind betrunken."

Fährste zu schnell, wirste geblitzt. Biste zu langsam, wirste abgekellt.
DAS ist Brandenburg !
Müßig zu erwähnen, dass ich am 13.05. die Stadtgrenze gerade hinter mit hatte, als...

Die MSC Magnifica legte am 13.05. in Warnemünde ab und fuhr geradewegs nach Danzig. Oder um es präzise zu formulieren: nach Gdynia.
Gdynia, Sopot und Gdansk werden auch als "Dreistadt" bezeichnet.
Uwe hat sich im Vorfeld über div. Foren schlau gemacht und darum haben wir eine private Tour gebucht und zwar hier:

www.bustaxigdansk.pl 

Rafal hat uns sehr gut durch die Dreistadt gefahren und manch interessante Geschichte abseits der üblichen Touristen-Sightseeing-Tour erzählt. Wir waren sehr zufrieden, der Preis stimmte und wir hatten darüberhinaus auch noch wunderbares Wetter. 
Wat willste mehr ? 


Das berühmte Krantor in Danzig und die Promenade an der Martwa Wisla, der Toten Weichsel, einem Mündungsarm des gleichnamigen Flusses.
 Die Altstadt ist im Wesentlichen Fußgängerzone und noch immer (oder schon wieder) werden die alten Gebäude restauriert.
Eine Leistung, die nicht hoch genug einzuschätzen ist, denn ....







....1945 sah es so aus.
Von den drei Alternativen als Neue Stadt aufbauen, platt lassen und woanders neu anfangen und originalgetreu restaurieren, haben sich die Polen dankenswerter Weise für die letzte Variante entschieden.
Und das ist ihnen sehr gut gelungen.
Hut ab, so geht man mit seiner Geschichte um (die ja irgendwo auch unsere eigene ist...)





















Zum Abschluß haben wir uns ein Orgelkonzert im Dom zu Oliva angehört.





Dann war der Tag herum und es ging wieder an Bord in Richtung Klaipeda.



Was ist das hier eigentlich neuerdings ?
Liegt das an meinem Laptop oder macht Blogger jetzt wieder was es will ?
Ich kann keine Antorten auf Kommentare veröffentlichen, im Post tauchen ständig andere Schriftarten auf und Bilder einbinden geht jetzt nur noch mit Horoskop oder was ?!
Posts werden jetzt nach Datum des Entwurfs veröffentlicht....Was soll die Kacke ???

Teil 2 demnächst...